Teenagers From St.Pauli
theghettoblasters:



OZ ist tot – Hamburg hat sein Lächeln verloren. Ein Nachruf

Walter Josef Fischer, alias OZ, Hamburgs – und wohl auch Deutschlands – 
bekanntester Sprayer und Graffitikünstler ist tot. Am 25. September 
2014, in der Nacht von Donnerstag auf Freitag, wurde er in der Nähe des 
Hauptbahnhofs Hamburg beim Sprühen eines Tags von einer S-Bahn erfasst 
und tödlich verletzt. Er ist 64 Jahre alt geworden. Sein gewaltsamer 
Tod, der auf verstörende Weise einem risikoreichen Leben zu entsprechen 
scheint, ist eine furchtbare Tragödie und hinterlässt eine Lücke, die 
nicht zu füllen ist.

Zwei Jahre zuvor: KP Flügel, Buchautor und Hörfunkjournalist, rief mich 
im Hamburger Verlagsbüro von Assoziation A an und erzählte, er plane 
gemeinsam mit Jorinde Reznikoff die Herausgabe eines Buches über OZ, das 
dessen Werk im Spannungsfeld „zwischen Revolte, Repression und Kommerz“ 
beleuchten solle. Er suche dafür einen Verlag. Ich war spontan Feuer und 
Flamme für das Projekt. „Du wirst es nicht glauben, aber das ist genau 
mein Ding“, antwortete ich. Noch heute kann ich mich nicht daran 
erinnern, jemals einem Buchprojekt so schnell und vorbehaltlos 
zugestimmt zu haben. Ich beschäftigte mich seit geraumer Zeit mit 
Streetart und hatte die Stadt auf dem Fahrrad mit der Fotokamera im 
Gepäck auf der Suche nach ihr erkundet. Die Allgegenwärtigkeit von OZ im 
Straßenbild Hamburgs war frappierend und zog mich wie so viele vor mir 
in den Bann. Der Produktionsprozess des Buches gestaltete sich 
allerdings schwieriger als gedacht und zog sich in die Länge. Andreas 
Blechschmidt, in der Soli-Arbeit mit OZ aktiv und Mitarbeiter des 
Anwaltsbüros am Schulterblatt, das OZ als Rechtsbeistand zur Seite trat, 
stieß hinzu. Sven Stillich, den ich von einem Buch über das Gängeviertel 
her kannte und außerordentlich schätzte, fragte ich, ob er bereit sei, 
ein Porträt über OZ beizusteuern. Ich selbst radelte erneut Hunderte von 
Kilometern durch die Stadt, um Fotos für das Buch aufzunehmen, und 
kontaktierte Streetartisten, die sich unter dem Motto „Free OZ“ mit 
eigenen Kunstwerken mit OZ solidarisiert hatten. Walter selbst war 
anfangs extrem misstrauisch und nur schwer von dem Projekt zu 
überzeugen. Ohne seine Einwilligung würde ich das Buch aber nicht 
machen, so viel stand fest. Erschwerend kam hinzu, dass sein Umfeld 
zerstritten war und von vielen Seiten – sei es mit den besten, sei es 
mit eigennützigen Absichten – an ihm herumgezerrt wurde. Der Vorteil 
war: Ich lernte Walter nun genauer kennen.

Walter Josef Fischer, wie OZ mit bürgerlichem Namen heißt, wurde am 7. 
Januar 1950 in Heidelberg geboren. Als uneheliches Kind wird er von 
seiner Mutter getrennt und von den Verwandten in ein katholisches 
Waisenhaus abgeschoben. Dort arbeiten zum Teil Erzieher und 
Erzieherinnen, deren Haltung noch von der der nationalsozialistischen 
Ideologie der „Ausmerze“ von der Norm abweichender Menschen geprägt ist. 
Als uneheliches Kind, das zudem an einer Sprachbehinderung aufgrund 
einer – später operierten – Gaumenspalte leidet, erfährt er mannigfache 
Demütigungen und Erniedrigungen, die er sein Leben lang nicht vergessen 
wird und die ihn auf immer prägen werden. Mit 15 Jahren verlässt er das 
Heim. Pläne, Gärtner oder Friseur zu werden, verlieren sich im Leeren. 
Walter bricht die Lehre ab. Anfang der 1970er Jahre trampt er durch 
Europa und unternimmt eine Weltreise, die ihn bis nach Indien und 
Afghanistan, schließlich Indonesien führen wird. Go East. Er verliebt 
sich in die tropische Natur, empört sich aber auch über Raubbau und 
soziale Ungerechtigkeit. Schließlich zieht die indonesische Polizei 
seinen Pass ein und schiebt ihn nach Deutschland ab. Zurück in 
Baden-Württemberg macht er in Stuttgart eine Entdeckung, die sein Leben 
verändern wird. Es ist die Zeit des RAF-Prozesses in Stammheim und die 
Straßen sind voller Sprühereien, die sich mit den Gefangenen 
solidarisieren. Walter F. ist fasziniert und experimentiert mit der 
Sprühdose als Mittel des politischen Ausdrucks. Mitte der 1980er Jahre 
will er die Freistadt Christiania in Kopenhagen besuchen, kommt aber nur 
bis Flensburg, wo er 1986 zum ersten Mal wegen Sachbeschädigung vor 
Gericht gestellt wird. Anfang der 1990er Jahre zieht er nach Hamburg. 
Erst hier entwickelt er sein charakteristisches OZ-Logo, das er in den 
nächsten Jahren zehntausendfach – neben Smileys, Spiralen, farbigen 
Gemälden – an die Hauswände, Stromverteilerkästen, Poller, Pfeiler und 
Brücken der Hansestadt sprühen wird. Bald sind ihm die Polizei und die 
Hochbahnwache auf den Fersen. Schließlich wird sogar eine eigene Soko 
Graffiti gegründet, die ihm auflauert. Wiederholte Male wird er brutal 
zusammengeschlagen. Wegen seiner Sprühereien wird er mehrfach zu 
Gefängnisstrafen verurteilt und verbringt insgesamt fast acht Jahre 
seines Lebens im Gefängnis.

Der Kampf gegen die „Saubernazis“ wird zu seinem Lebensinhalt. Er hat 
als Heimkind und sprachbehinderter Mensch den Terror der Normalität am 
eigenen Leibe erfahren. Aus dieser permanenten Demütigung hat er ein 
hochempfindliches Sensorium für das unterschwellige Gewaltpotential von 
Sauberkeitsfimmel, Ordnungswahn und bürgerlichen Sekundärtugenden, die 
dieses Land noch nie am Morden gehindert haben, entwickelt. Das Grauen 
der deutschen Geschichte ist ihm stets präsent, auf den Leib gebrannt, 
als tiefe Beunruhigung und innerer Antrieb zum Handeln, als 
Verpflichtung zum „Dagegenhalten“. Wiederholt ist ihm gedroht worden, 
unter den Nazis sei „so jemand wie er vergast worden“. Als er in den 
Strafprozessen Schilder hochhält, auf denen „KZ OZ“ oder „Jude“ steht, 
wird dies häufig kritisiert. Genauso wie sein Statement, er wolle mit 
seinen Kringeln und Spiralen an jeden einzelnen ermordeten Juden und 
„Zigeuner“ erinnern. Illegitime Einnahme einer Opferrolle und 
Banalisierung der NS-Verbrechen lautet der Vorwurf, in Wirklichkeit ist 
dies jedoch Ausdruck seiner Hypersensibilität gegenüber der Kontinuität 
einer untergründigen Gewaltbereitschaft gegenüber allem Abweichenden in 
der bundesrepublikanischen Gesellschaft und Beleg seines aufrichtigen 
Versuchs, mit bescheidenen Mitteln Widerstand und Erinnerungsarbeit zu 
leisten. Im Grau – „Wehrmachtsgrau“, wie er gern sagte – lauerte für ihn 
stets auch das Grauen. In der Übertünchung der Graffitis durch Stadt, 
Verkehrsbetriebe und Privateigentümer sah er einen Fanatismus am Werk, 
dem er kompromisslos den Kampf ansagte.
In vielen Kommentaren wurde die rhetorische Frage aufgeworfen, ob denn 
jeder, der um die frischgestrichene Fassade seines – realen oder nur 
prospektiv erhofften – Eigenheims fürchte, nun ein Nazi sei. Wie auf die 
meisten rhetorischen Fragen, ist die Antwort eindeutig: in diesem Fall 
ein Nein. Die Frage ignoriert jedoch das Wesentliche: den eklatanten 
Überschuss an latenter und nur zu oft exzessiver Gewalttätigkeit, wie er 
sich selbst nach dem Tod von Walter F. in zahllosen Internet-Kommentaren 
Bahn bricht, die sich nicht scheuen, den Tod dieses „Schmierfinks“ zu 
feiern. Ein Hass, den er nicht wegen eines Gewaltverbrechens oder 
Massenmords, sondern wegen harmloser Graffitis auf sich zieht. Es ist 
genau diese Mentalität, gegen die OZ mit vollem Recht zu Felde zog.

Dabei ist das Schaffen von OZ wesentlich vielfältiger, als gemeinhin 
wahrgenommen wird. Neben dem Schriftzug „OZ“, den von den Hauswänden 
lächelnden Smileys und den tausendfachen Kringeln und Spiralen umfasst 
es auch großformatige farbige Werke, die manchmal an Zellstrukturen 
erinnern, manchmal wie kosmische Visionen auf einem LSD-Trip wirken. 
Farbexplosionen, in denen Mikro- und Makrokosmos sich ineinander 
spiegeln. Darin verwoben aufblitzende menschliche Gesichter, manchmal 
lächelnd, manchmal einen aufrüttelnden Schrei artikulierend. Die 
Reduktion, die Fokussierung auf das Elementare zeichnet sein Werk aus. 
Darin Keith Haring ähnelnd. Die schwarzen Tags sollten nicht aus dem 
Blick geraten lassen, dass das Universum von OZ im Wesentlichen bunt 
ist. Der Stadt die Farbe zurückzugeben, sie zu verschönern, ist das 
erklärte Ziel von OZ.
Deutlich wird dies auch in den Atelierbildern, die OZ auf Leinwand 
gesprüht hat. Als Spiritus Rector stand ihm dabei in einem bisweilen 
durchaus konfliktiven Verhältnis über Jahre sein Galerist Alex Heimkind 
von der OZM Art Space Gallery zur Seite, der mehrere Ausstellungen mit 
und von OZ organisierte und ihn zu Gemeinschaftsproduktionen mit anderen 
Künstlern ermunterte. Insbesondere in der letzten Ausstellung „Untitled“ 
ist ein qualitativer Sprung in der künstlerischen Entwicklung von OZ 
erkennbar, der sein ungeheures Potential erahnen lässt. Paradoxerweise 
hat Walter selbst das nie recht würdigen können. Immer wieder betonte 
er, dass er für die Galerie nur arbeite, weil er seine Anwälte 
finanzieren müsse. Sein Arbeitsfeld war definitiv die Straße.
OZ‘ Werk kann indes nur angemessen gewürdigt werden, wenn man es in 
seiner komplexen Gesamtheit ins Auge fasst. Wie er im Laufe von knapp 
einem Vierteljahrhundert die Hamburger Stadtlandschaft gestaltet hat, 
lässt sich nur mit dem Begriff des Gesamtkunstwerks fassen, als 
monumentale soziale Plastik, die sein Leben mit einbezieht. Mit feinem 
Gespür hat das Hamburger Streetart-Duo Los Piratoz ein Graffiti 
gesprüht, das den chinesischen Dissidenten und Künstler Ai Weiwei mit 
Piratendreispitz neben die Parole „Free OZ“ stellt. Beider Leben 
erscheint als ein Gesamtkunstwerk – nur dass bei OZ das Moment der 
Selbstinszenierung gänzlich fehlt.
Wohl auf lange Sicht einzigartig sind die Konsequenz und 
Zielstrebigkeit, mit denen OZ seinen Weg beschritt. Er ließ sich darin 
durch nichts und niemanden beirren: nicht durch Gewalt, Repression und 
Gefängnis, die ihn nicht brechen konnten; nicht durch ein Leben in 
bitterer Armut, das er durch völlige Bedürfnislosigkeit konterte; nicht 
durch Lob, Schmeichelei oder Winken mit materiellen Vorteilen, denen 
gegenüber er gänzlich unempfindlich blieb. Ich kenne kaum jemanden, der 
so unabhängig von den Meinungen anderer Menschen war wie er. Darin war 
er unerreichbar und unkorrumpierbar. Felsenfest in seinen Überzeugungen. 
Walter hatte seine Entscheidung getroffen, seinen Kompass gefunden und 
folgte ihm unbeirrt. Zu sprayen war für ihn so selbstverständlich wie 
für andere das Atmen oder die Nahrungsaufnahme. Ein existentieller Akt. 
Auch wenn seinem Handeln eine offenbare Besessenheit innewohnte: OZ war 
für mich in einem grundlegenden Sinn das aufrüttelnde Beispiel eines 
freien Menschen.

Im März 2014 lag das Buch „Free OZ! Streetart zwischen Revolte, 
Repression und Kommerz“ schließlich druckfrisch vor uns. OZ hielt sich 
zu diesem Zeitpunkt nicht in Hamburg auf. Wieder einmal war er von der 
Hochbahnwache verprügelt und mit dem Kopf auf das Trottoir geschlagen 
worden, was – möglicherweise verbunden mit einem leichten Schlaganfall – 
seine Artikulationsprobleme wieder hatte aufleben lassen. Zur 
Rehabilitation befand er sich in einer neurologischen Klinik in der 
Lüneburger Heide. Zu dritt fuhren wir nach Soltau, um Walter das Buch 
offiziell zu überreichen. Der Weg vom Bahnhof zur Klinik gestaltete sich 
als Schnitzeljagd: Wir brauchten nur den zahllosen Kringeln in der zuvor 
super-cleanen Kleinstadt zu folgen, um zielsicher zur am Waldrand 
gelegenen Klinik zu gelangen. Und selbst hier waren zwischen den Bäumen 
auf einsamen Schildern seine Embleme zu finden. „Walt-Art“ nannte sie KP 
Flügel mit treffendem Witz. Wir verbrachten einen schönen, 
sonnenbeschienenen, frühlingshaft warmen Tag mit Walter, der das Buch 
bereits über einen Gewährsmann erhalten hatte. Er hatte es von vorne bis 
hinten durchgearbeitet und mit Kommentaren versehen. Wenn ihm etwas 
nicht gefiel, stand da zum Beispiel: „Von nichts ’ne Ahnung, aber dumm 
rumlabern.“ Wie er es denn insgesamt finde, fragten wir ihn leicht 
beunruhigt. „Na ja, hätte schlimmer kommen können, nicht wahr.“ Aus 
seinem Mund war das fast das höchste Lob.

Am 15. April 2014 folgte die Buchpremiere im Gängeviertel. Der 
Veranstaltungsraum war bis auf den letzten Platz gefüllt, und die mit 
einer Overheadprojektion seiner Arbeiten verbundene Lesung gelang als 
wunderschöne, beglückende Würdigung des Werkes von OZ und setzte ein 
klares Zeichen gegen die Kriminalisierung seiner Kunst und von Streetart 
im Allgemeinen. Walter war incognito in der 
freundschaftlich-beschützenden Begleitung seines Anwalts Andreas Beuth 
anwesend, von fast niemandem erkannt. Aber diesmal war er wirklich 
gerührt. „Zu mehr als hundert Prozent“ zufrieden sei er, wie er mir sagte.
Tatsächlich hatte er sich einen Platz erkämpft, den ihn niemand mehr 
nehmen konnte. In der Presseberichterstattung hatte es langsam, aber 
sicher einen Wandel gegeben, und mit den Ausstellungen und 
Veröffentlichungen der letzten Zeit war die Frage, ob es sich bei „OZ“ 
um Kunst handele, entschieden. OZ hatte sich aus einem geschmähten, 
beleidigten, misshandelten und eingekerkerten „Schmierfinken“ in einen 
anerkannten Graffiti-Künstler verwandelt. Unumkehrbar. Seine Peiniger 
und Verfolger waren auf immer gescheitert. Mit seinem Werk hatte sich OZ 
unauslöschlich in das Gedächtnis der Hansestadt eingeschrieben, war Teil 
ihrer Geschichte geworden. Ihm selbst war das wie immer völlig schnuppe. 
„Und wozu soll das gut sein?“, fragte er. „Damit mich die Schergen beim 
nächsten Mal noch besser erkennen können?“

Wir haben uns danach noch einige Male gesehen und miteinander 
telefoniert. Einmal fragte ich ihn, ob er es in unserem Alter nicht 
bequemer fände, auf einem Damenfahrrad zu fahren. „Ne“, sagte er. „Weißt 
du, wozu ich das brauche?“ Er hielt an, lehnte sein „Herrenrad“ an ein 
Straßenschild, stieg auf die Querstange und klebte oben einen Sticker 
an. „Da kommen die Schergen nicht so schnell ran und können ihn nicht 
wieder entfernen.“
Walter besaß eine ausgeprägte Guerillamentalität. Er sah sich in einem 
einsamen Kampf gegen die Mächte des Graus: Werbung, Ordnungshüter, 
Polizei. Ein Partisan der Farbe versus das Einerlei der kapitalistischen 
Stadt, gegen das er mit friedlichen Mitteln kämpfte. Gegen die 
zunehmende Privatisierung des öffentlichen Raums reklamierte er ein 
Recht auf Stadt für alle und setzte es in einem selbstbewussten Akt der 
Aneignung und Umgestaltung in die Tat um. Seine einzige „Waffe“ war die 
Sprühdose, mit der er seine Umwelt verschönern wollte. Zumeist war er 
als Einzelkämpfer unterwegs. Obwohl er von zahlreichen Streetartisten 
und Graffiti-Writern als Vorbild verehrt wurde und auch in der Fanszene 
des FC St. Pauli auf große Resonanz stieß, suchte er nur selten den 
Kontakt. „Was hab ich mit denen zu tun?“, sagte er häufig. Er war schon 
vom Alter her eine Ausnahme und spielte auch sonst in einer anderen Liga.
Walter konnte auch anstrengend, starrsinnig und nervig sein. Ich 
erinnere mich, wie ich in einer schwierigen Situation in das Anwaltsbüro 
von Andreas Beuth am Schulterblatt kam. Im Besprechungsraum saß Walter 
mit mehreren Anwälten und weiteren Personen, um das Vorgehen in diversen 
Streitfällen zu besprechen. Der Einzige, der sprach, war Walter. 
Kerzengerade auf seinem Stuhl. Entschieden und stur. Unverrückbar in 
seinen Vorstellungen und Wertungen, die er endlos wiederholen konnte. Er 
wusste genau, was er wollte.

Zum Schluss das Wichtigste: Es gab etwas an Walter, das mich – und wie 
ich weiß: nicht nur mich – bereits nach wenigen Begegnungen zutiefst 
angerührt hat. Er verfügte über einen eigenen Zauber. Vielleicht war es 
diese eigenartige und scheinbar widersprüchliche Verbindung von höchster 
Verletzlichkeit und Ungeschütztheit, die dieser scheue und schmächtige 
Mann ausstrahlte, und seiner singulären Konsequenz, Hartnäckigkeit und 
Eigenwilligkeit. OZ war durch nichts zu brechen und strahlte eine schwer 
zu ergründende, spürbare Energie aus, die bisweilen in seinen 
dunkelbraunen, fast schwarzen Augen aufglühte. Allzu häufig haben wir 
uns nicht gesehen, aber wir hatten einen Draht zueinander und ich habe 
diesen ganz und gar besonderen und einzigartigen Menschen sehr gemocht. 
Und ich bin glücklich, dass wir ein Buch veröffentlichen konnten und 
durften, das sein Schaffen in Ausschnitten für die Zukunft bewahrt. Sein 
Tod hat mich zutiefst erschüttert und ich hoffe, dass ein Funke meiner 
Zuneigung ihn in seiner Einsamkeit erreicht.
Er fühle sich, wenn er in Hamburg unterwegs sei, von dem OZ-Schriftzug 
buchstäblich gegrüßt, hat Herr von Eden in unserem Buch geschrieben. 
Genauso ging es mir. Bei jedem Streifzug durch die Stadt begegnete mir 
ein Graffiti von OZ und jedes Mal entlockte es mir ein inneres Lächeln. 
Seine Omnipräsenz hatte etwas Tröstliches, war Teil meines Heimatgefühls 
geworden. Home is where your heart is. OZ gehörte definitiv dazu. Als 
ich heute im Fahrstuhl zu meinem Arbeitsplatz in unserer 
Bürogemeinschaft hinauffuhr, fiel mein Blick auf einen Kringel von OZ, 
der den klapprigen Kasten, der manchmal stecken bleibt, seit seinem 
letzten Besuch zierte. Nun muss ich jedes Mal, wenn ich ihn sehe, daran 
denken, dass Walter ihm keine weiteren Zeichen mehr hinzufügen wird. Die 
Welt ist durch seinen Tod ärmer geworden. Wie jemand im SWR richtig 
bemerkte: Hamburg hat sein Lächeln verloren.

Theo Bruns, Hamburg, 27. September 2014

Der Link zum Buch:
http://www.assoziation-a.de/neu/Free_OZ.htm

Dem ist nichts hinzuzufügen. 

theghettoblasters:

OZ ist tot – Hamburg hat sein Lächeln verloren. Ein Nachruf

Walter Josef Fischer, alias OZ, Hamburgs – und wohl auch Deutschlands – 
bekanntester Sprayer und Graffitikünstler ist tot. Am 25. September 
2014, in der Nacht von Donnerstag auf Freitag, wurde er in der Nähe des 
Hauptbahnhofs Hamburg beim Sprühen eines Tags von einer S-Bahn erfasst 
und tödlich verletzt. Er ist 64 Jahre alt geworden. Sein gewaltsamer 
Tod, der auf verstörende Weise einem risikoreichen Leben zu entsprechen 
scheint, ist eine furchtbare Tragödie und hinterlässt eine Lücke, die 
nicht zu füllen ist.

Zwei Jahre zuvor: KP Flügel, Buchautor und Hörfunkjournalist, rief mich 
im Hamburger Verlagsbüro von Assoziation A an und erzählte, er plane 
gemeinsam mit Jorinde Reznikoff die Herausgabe eines Buches über OZ, das 
dessen Werk im Spannungsfeld „zwischen Revolte, Repression und Kommerz“ 
beleuchten solle. Er suche dafür einen Verlag. Ich war spontan Feuer und 
Flamme für das Projekt. „Du wirst es nicht glauben, aber das ist genau 
mein Ding“, antwortete ich. Noch heute kann ich mich nicht daran 
erinnern, jemals einem Buchprojekt so schnell und vorbehaltlos 
zugestimmt zu haben. Ich beschäftigte mich seit geraumer Zeit mit 
Streetart und hatte die Stadt auf dem Fahrrad mit der Fotokamera im 
Gepäck auf der Suche nach ihr erkundet. Die Allgegenwärtigkeit von OZ im 
Straßenbild Hamburgs war frappierend und zog mich wie so viele vor mir 
in den Bann. Der Produktionsprozess des Buches gestaltete sich 
allerdings schwieriger als gedacht und zog sich in die Länge. Andreas 
Blechschmidt, in der Soli-Arbeit mit OZ aktiv und Mitarbeiter des 
Anwaltsbüros am Schulterblatt, das OZ als Rechtsbeistand zur Seite trat, 
stieß hinzu. Sven Stillich, den ich von einem Buch über das Gängeviertel 
her kannte und außerordentlich schätzte, fragte ich, ob er bereit sei, 
ein Porträt über OZ beizusteuern. Ich selbst radelte erneut Hunderte von 
Kilometern durch die Stadt, um Fotos für das Buch aufzunehmen, und 
kontaktierte Streetartisten, die sich unter dem Motto „Free OZ“ mit 
eigenen Kunstwerken mit OZ solidarisiert hatten. Walter selbst war 
anfangs extrem misstrauisch und nur schwer von dem Projekt zu 
überzeugen. Ohne seine Einwilligung würde ich das Buch aber nicht 
machen, so viel stand fest. Erschwerend kam hinzu, dass sein Umfeld 
zerstritten war und von vielen Seiten – sei es mit den besten, sei es 
mit eigennützigen Absichten – an ihm herumgezerrt wurde. Der Vorteil 
war: Ich lernte Walter nun genauer kennen.

Walter Josef Fischer, wie OZ mit bürgerlichem Namen heißt, wurde am 7. 
Januar 1950 in Heidelberg geboren. Als uneheliches Kind wird er von 
seiner Mutter getrennt und von den Verwandten in ein katholisches 
Waisenhaus abgeschoben. Dort arbeiten zum Teil Erzieher und 
Erzieherinnen, deren Haltung noch von der der nationalsozialistischen 
Ideologie der „Ausmerze“ von der Norm abweichender Menschen geprägt ist. 
Als uneheliches Kind, das zudem an einer Sprachbehinderung aufgrund 
einer – später operierten – Gaumenspalte leidet, erfährt er mannigfache 
Demütigungen und Erniedrigungen, die er sein Leben lang nicht vergessen 
wird und die ihn auf immer prägen werden. Mit 15 Jahren verlässt er das 
Heim. Pläne, Gärtner oder Friseur zu werden, verlieren sich im Leeren. 
Walter bricht die Lehre ab. Anfang der 1970er Jahre trampt er durch 
Europa und unternimmt eine Weltreise, die ihn bis nach Indien und 
Afghanistan, schließlich Indonesien führen wird. Go East. Er verliebt 
sich in die tropische Natur, empört sich aber auch über Raubbau und 
soziale Ungerechtigkeit. Schließlich zieht die indonesische Polizei 
seinen Pass ein und schiebt ihn nach Deutschland ab. Zurück in 
Baden-Württemberg macht er in Stuttgart eine Entdeckung, die sein Leben 
verändern wird. Es ist die Zeit des RAF-Prozesses in Stammheim und die 
Straßen sind voller Sprühereien, die sich mit den Gefangenen 
solidarisieren. Walter F. ist fasziniert und experimentiert mit der 
Sprühdose als Mittel des politischen Ausdrucks. Mitte der 1980er Jahre 
will er die Freistadt Christiania in Kopenhagen besuchen, kommt aber nur 
bis Flensburg, wo er 1986 zum ersten Mal wegen Sachbeschädigung vor 
Gericht gestellt wird. Anfang der 1990er Jahre zieht er nach Hamburg. 
Erst hier entwickelt er sein charakteristisches OZ-Logo, das er in den 
nächsten Jahren zehntausendfach – neben Smileys, Spiralen, farbigen 
Gemälden – an die Hauswände, Stromverteilerkästen, Poller, Pfeiler und 
Brücken der Hansestadt sprühen wird. Bald sind ihm die Polizei und die 
Hochbahnwache auf den Fersen. Schließlich wird sogar eine eigene Soko 
Graffiti gegründet, die ihm auflauert. Wiederholte Male wird er brutal 
zusammengeschlagen. Wegen seiner Sprühereien wird er mehrfach zu 
Gefängnisstrafen verurteilt und verbringt insgesamt fast acht Jahre 
seines Lebens im Gefängnis.

Der Kampf gegen die „Saubernazis“ wird zu seinem Lebensinhalt. Er hat 
als Heimkind und sprachbehinderter Mensch den Terror der Normalität am 
eigenen Leibe erfahren. Aus dieser permanenten Demütigung hat er ein 
hochempfindliches Sensorium für das unterschwellige Gewaltpotential von 
Sauberkeitsfimmel, Ordnungswahn und bürgerlichen Sekundärtugenden, die 
dieses Land noch nie am Morden gehindert haben, entwickelt. Das Grauen 
der deutschen Geschichte ist ihm stets präsent, auf den Leib gebrannt, 
als tiefe Beunruhigung und innerer Antrieb zum Handeln, als 
Verpflichtung zum „Dagegenhalten“. Wiederholt ist ihm gedroht worden, 
unter den Nazis sei „so jemand wie er vergast worden“. Als er in den 
Strafprozessen Schilder hochhält, auf denen „KZ OZ“ oder „Jude“ steht, 
wird dies häufig kritisiert. Genauso wie sein Statement, er wolle mit 
seinen Kringeln und Spiralen an jeden einzelnen ermordeten Juden und 
„Zigeuner“ erinnern. Illegitime Einnahme einer Opferrolle und 
Banalisierung der NS-Verbrechen lautet der Vorwurf, in Wirklichkeit ist 
dies jedoch Ausdruck seiner Hypersensibilität gegenüber der Kontinuität 
einer untergründigen Gewaltbereitschaft gegenüber allem Abweichenden in 
der bundesrepublikanischen Gesellschaft und Beleg seines aufrichtigen 
Versuchs, mit bescheidenen Mitteln Widerstand und Erinnerungsarbeit zu 
leisten. Im Grau – „Wehrmachtsgrau“, wie er gern sagte – lauerte für ihn 
stets auch das Grauen. In der Übertünchung der Graffitis durch Stadt, 
Verkehrsbetriebe und Privateigentümer sah er einen Fanatismus am Werk, 
dem er kompromisslos den Kampf ansagte.
In vielen Kommentaren wurde die rhetorische Frage aufgeworfen, ob denn 
jeder, der um die frischgestrichene Fassade seines – realen oder nur 
prospektiv erhofften – Eigenheims fürchte, nun ein Nazi sei. Wie auf die 
meisten rhetorischen Fragen, ist die Antwort eindeutig: in diesem Fall 
ein Nein. Die Frage ignoriert jedoch das Wesentliche: den eklatanten 
Überschuss an latenter und nur zu oft exzessiver Gewalttätigkeit, wie er 
sich selbst nach dem Tod von Walter F. in zahllosen Internet-Kommentaren 
Bahn bricht, die sich nicht scheuen, den Tod dieses „Schmierfinks“ zu 
feiern. Ein Hass, den er nicht wegen eines Gewaltverbrechens oder 
Massenmords, sondern wegen harmloser Graffitis auf sich zieht. Es ist 
genau diese Mentalität, gegen die OZ mit vollem Recht zu Felde zog.

Dabei ist das Schaffen von OZ wesentlich vielfältiger, als gemeinhin 
wahrgenommen wird. Neben dem Schriftzug „OZ“, den von den Hauswänden 
lächelnden Smileys und den tausendfachen Kringeln und Spiralen umfasst 
es auch großformatige farbige Werke, die manchmal an Zellstrukturen 
erinnern, manchmal wie kosmische Visionen auf einem LSD-Trip wirken. 
Farbexplosionen, in denen Mikro- und Makrokosmos sich ineinander 
spiegeln. Darin verwoben aufblitzende menschliche Gesichter, manchmal 
lächelnd, manchmal einen aufrüttelnden Schrei artikulierend. Die 
Reduktion, die Fokussierung auf das Elementare zeichnet sein Werk aus. 
Darin Keith Haring ähnelnd. Die schwarzen Tags sollten nicht aus dem 
Blick geraten lassen, dass das Universum von OZ im Wesentlichen bunt 
ist. Der Stadt die Farbe zurückzugeben, sie zu verschönern, ist das 
erklärte Ziel von OZ.
Deutlich wird dies auch in den Atelierbildern, die OZ auf Leinwand 
gesprüht hat. Als Spiritus Rector stand ihm dabei in einem bisweilen 
durchaus konfliktiven Verhältnis über Jahre sein Galerist Alex Heimkind 
von der OZM Art Space Gallery zur Seite, der mehrere Ausstellungen mit 
und von OZ organisierte und ihn zu Gemeinschaftsproduktionen mit anderen 
Künstlern ermunterte. Insbesondere in der letzten Ausstellung „Untitled“ 
ist ein qualitativer Sprung in der künstlerischen Entwicklung von OZ 
erkennbar, der sein ungeheures Potential erahnen lässt. Paradoxerweise 
hat Walter selbst das nie recht würdigen können. Immer wieder betonte 
er, dass er für die Galerie nur arbeite, weil er seine Anwälte 
finanzieren müsse. Sein Arbeitsfeld war definitiv die Straße.
OZ‘ Werk kann indes nur angemessen gewürdigt werden, wenn man es in 
seiner komplexen Gesamtheit ins Auge fasst. Wie er im Laufe von knapp 
einem Vierteljahrhundert die Hamburger Stadtlandschaft gestaltet hat, 
lässt sich nur mit dem Begriff des Gesamtkunstwerks fassen, als 
monumentale soziale Plastik, die sein Leben mit einbezieht. Mit feinem 
Gespür hat das Hamburger Streetart-Duo Los Piratoz ein Graffiti 
gesprüht, das den chinesischen Dissidenten und Künstler Ai Weiwei mit 
Piratendreispitz neben die Parole „Free OZ“ stellt. Beider Leben 
erscheint als ein Gesamtkunstwerk – nur dass bei OZ das Moment der 
Selbstinszenierung gänzlich fehlt.
Wohl auf lange Sicht einzigartig sind die Konsequenz und 
Zielstrebigkeit, mit denen OZ seinen Weg beschritt. Er ließ sich darin 
durch nichts und niemanden beirren: nicht durch Gewalt, Repression und 
Gefängnis, die ihn nicht brechen konnten; nicht durch ein Leben in 
bitterer Armut, das er durch völlige Bedürfnislosigkeit konterte; nicht 
durch Lob, Schmeichelei oder Winken mit materiellen Vorteilen, denen 
gegenüber er gänzlich unempfindlich blieb. Ich kenne kaum jemanden, der 
so unabhängig von den Meinungen anderer Menschen war wie er. Darin war 
er unerreichbar und unkorrumpierbar. Felsenfest in seinen Überzeugungen. 
Walter hatte seine Entscheidung getroffen, seinen Kompass gefunden und 
folgte ihm unbeirrt. Zu sprayen war für ihn so selbstverständlich wie 
für andere das Atmen oder die Nahrungsaufnahme. Ein existentieller Akt. 
Auch wenn seinem Handeln eine offenbare Besessenheit innewohnte: OZ war 
für mich in einem grundlegenden Sinn das aufrüttelnde Beispiel eines 
freien Menschen.

Im März 2014 lag das Buch „Free OZ! Streetart zwischen Revolte, 
Repression und Kommerz“ schließlich druckfrisch vor uns. OZ hielt sich 
zu diesem Zeitpunkt nicht in Hamburg auf. Wieder einmal war er von der 
Hochbahnwache verprügelt und mit dem Kopf auf das Trottoir geschlagen 
worden, was – möglicherweise verbunden mit einem leichten Schlaganfall – 
seine Artikulationsprobleme wieder hatte aufleben lassen. Zur 
Rehabilitation befand er sich in einer neurologischen Klinik in der 
Lüneburger Heide. Zu dritt fuhren wir nach Soltau, um Walter das Buch 
offiziell zu überreichen. Der Weg vom Bahnhof zur Klinik gestaltete sich 
als Schnitzeljagd: Wir brauchten nur den zahllosen Kringeln in der zuvor 
super-cleanen Kleinstadt zu folgen, um zielsicher zur am Waldrand 
gelegenen Klinik zu gelangen. Und selbst hier waren zwischen den Bäumen 
auf einsamen Schildern seine Embleme zu finden. „Walt-Art“ nannte sie KP 
Flügel mit treffendem Witz. Wir verbrachten einen schönen, 
sonnenbeschienenen, frühlingshaft warmen Tag mit Walter, der das Buch 
bereits über einen Gewährsmann erhalten hatte. Er hatte es von vorne bis 
hinten durchgearbeitet und mit Kommentaren versehen. Wenn ihm etwas 
nicht gefiel, stand da zum Beispiel: „Von nichts ’ne Ahnung, aber dumm 
rumlabern.“ Wie er es denn insgesamt finde, fragten wir ihn leicht 
beunruhigt. „Na ja, hätte schlimmer kommen können, nicht wahr.“ Aus 
seinem Mund war das fast das höchste Lob.

Am 15. April 2014 folgte die Buchpremiere im Gängeviertel. Der 
Veranstaltungsraum war bis auf den letzten Platz gefüllt, und die mit 
einer Overheadprojektion seiner Arbeiten verbundene Lesung gelang als 
wunderschöne, beglückende Würdigung des Werkes von OZ und setzte ein 
klares Zeichen gegen die Kriminalisierung seiner Kunst und von Streetart 
im Allgemeinen. Walter war incognito in der 
freundschaftlich-beschützenden Begleitung seines Anwalts Andreas Beuth 
anwesend, von fast niemandem erkannt. Aber diesmal war er wirklich 
gerührt. „Zu mehr als hundert Prozent“ zufrieden sei er, wie er mir sagte.
Tatsächlich hatte er sich einen Platz erkämpft, den ihn niemand mehr 
nehmen konnte. In der Presseberichterstattung hatte es langsam, aber 
sicher einen Wandel gegeben, und mit den Ausstellungen und 
Veröffentlichungen der letzten Zeit war die Frage, ob es sich bei „OZ“ 
um Kunst handele, entschieden. OZ hatte sich aus einem geschmähten, 
beleidigten, misshandelten und eingekerkerten „Schmierfinken“ in einen 
anerkannten Graffiti-Künstler verwandelt. Unumkehrbar. Seine Peiniger 
und Verfolger waren auf immer gescheitert. Mit seinem Werk hatte sich OZ 
unauslöschlich in das Gedächtnis der Hansestadt eingeschrieben, war Teil 
ihrer Geschichte geworden. Ihm selbst war das wie immer völlig schnuppe. 
„Und wozu soll das gut sein?“, fragte er. „Damit mich die Schergen beim 
nächsten Mal noch besser erkennen können?“

Wir haben uns danach noch einige Male gesehen und miteinander 
telefoniert. Einmal fragte ich ihn, ob er es in unserem Alter nicht 
bequemer fände, auf einem Damenfahrrad zu fahren. „Ne“, sagte er. „Weißt 
du, wozu ich das brauche?“ Er hielt an, lehnte sein „Herrenrad“ an ein 
Straßenschild, stieg auf die Querstange und klebte oben einen Sticker 
an. „Da kommen die Schergen nicht so schnell ran und können ihn nicht 
wieder entfernen.“
Walter besaß eine ausgeprägte Guerillamentalität. Er sah sich in einem 
einsamen Kampf gegen die Mächte des Graus: Werbung, Ordnungshüter, 
Polizei. Ein Partisan der Farbe versus das Einerlei der kapitalistischen 
Stadt, gegen das er mit friedlichen Mitteln kämpfte. Gegen die 
zunehmende Privatisierung des öffentlichen Raums reklamierte er ein 
Recht auf Stadt für alle und setzte es in einem selbstbewussten Akt der 
Aneignung und Umgestaltung in die Tat um. Seine einzige „Waffe“ war die 
Sprühdose, mit der er seine Umwelt verschönern wollte. Zumeist war er 
als Einzelkämpfer unterwegs. Obwohl er von zahlreichen Streetartisten 
und Graffiti-Writern als Vorbild verehrt wurde und auch in der Fanszene 
des FC St. Pauli auf große Resonanz stieß, suchte er nur selten den 
Kontakt. „Was hab ich mit denen zu tun?“, sagte er häufig. Er war schon 
vom Alter her eine Ausnahme und spielte auch sonst in einer anderen Liga.
Walter konnte auch anstrengend, starrsinnig und nervig sein. Ich 
erinnere mich, wie ich in einer schwierigen Situation in das Anwaltsbüro 
von Andreas Beuth am Schulterblatt kam. Im Besprechungsraum saß Walter 
mit mehreren Anwälten und weiteren Personen, um das Vorgehen in diversen 
Streitfällen zu besprechen. Der Einzige, der sprach, war Walter. 
Kerzengerade auf seinem Stuhl. Entschieden und stur. Unverrückbar in 
seinen Vorstellungen und Wertungen, die er endlos wiederholen konnte. Er 
wusste genau, was er wollte.

Zum Schluss das Wichtigste: Es gab etwas an Walter, das mich – und wie 
ich weiß: nicht nur mich – bereits nach wenigen Begegnungen zutiefst 
angerührt hat. Er verfügte über einen eigenen Zauber. Vielleicht war es 
diese eigenartige und scheinbar widersprüchliche Verbindung von höchster 
Verletzlichkeit und Ungeschütztheit, die dieser scheue und schmächtige 
Mann ausstrahlte, und seiner singulären Konsequenz, Hartnäckigkeit und 
Eigenwilligkeit. OZ war durch nichts zu brechen und strahlte eine schwer 
zu ergründende, spürbare Energie aus, die bisweilen in seinen 
dunkelbraunen, fast schwarzen Augen aufglühte. Allzu häufig haben wir 
uns nicht gesehen, aber wir hatten einen Draht zueinander und ich habe 
diesen ganz und gar besonderen und einzigartigen Menschen sehr gemocht. 
Und ich bin glücklich, dass wir ein Buch veröffentlichen konnten und 
durften, das sein Schaffen in Ausschnitten für die Zukunft bewahrt. Sein 
Tod hat mich zutiefst erschüttert und ich hoffe, dass ein Funke meiner 
Zuneigung ihn in seiner Einsamkeit erreicht.
Er fühle sich, wenn er in Hamburg unterwegs sei, von dem OZ-Schriftzug 
buchstäblich gegrüßt, hat Herr von Eden in unserem Buch geschrieben. 
Genauso ging es mir. Bei jedem Streifzug durch die Stadt begegnete mir 
ein Graffiti von OZ und jedes Mal entlockte es mir ein inneres Lächeln. 
Seine Omnipräsenz hatte etwas Tröstliches, war Teil meines Heimatgefühls 
geworden. Home is where your heart is. OZ gehörte definitiv dazu. Als 
ich heute im Fahrstuhl zu meinem Arbeitsplatz in unserer 
Bürogemeinschaft hinauffuhr, fiel mein Blick auf einen Kringel von OZ, 
der den klapprigen Kasten, der manchmal stecken bleibt, seit seinem 
letzten Besuch zierte. Nun muss ich jedes Mal, wenn ich ihn sehe, daran 
denken, dass Walter ihm keine weiteren Zeichen mehr hinzufügen wird. Die 
Welt ist durch seinen Tod ärmer geworden. Wie jemand im SWR richtig 
bemerkte: Hamburg hat sein Lächeln verloren.

Theo Bruns, Hamburg, 27. September 2014

Der Link zum Buch:
http://www.assoziation-a.de/neu/Free_OZ.htm

Dem ist nichts hinzuzufügen. 

(Source: ghettofever, via theghettoblasters)

R.I.P.
King OZ
…We will miss you!

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Bobfahrer.

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at the station…

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